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Besuch der TG12/2 im Militärarchiv

15.04.2011

...mit unserer Geschichtslehrerin, Frau Herrle, im Rahmen des Geschichtsunterrichts einen Tag im Bundesarchiv / Militärarchiv in Freiburg . Unser Thema war der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.

Frau Wehr, Archivarin im Bundesarchiv
Der Leiter des Archivs, der Historiker  Dr. Andreas Kunz, begrüßte uns freundlich. In einer Gesprächsrunde stellte sich heraus, dass nur zwei von uns mit Familienangehörigen über den Zweiten Weltkrieg gesprochen hatten.
Im Gespräch ging es darum, dass bald überhaupt keine Zeitzeugen mehr da sein werden, die man befragen könne, und dass auch das ein Grund sei, dass  die Archive so wichtig seien.  
In einem Gespräch zum Kriegsvölkerrecht  mit Herrn Kunz  erfuhren wir, dass offiziell auch für das Deutsche Reich z.B. die Genfer Konvention galt, (menschliches Behandeln von Kriegsgefangenen, kein Krieg gegen die Zivilbevölkerung).
Vor allem im Feldzug gegen die UdSSR wurde millionenfach und systematisch gegen  diese Bestimmungen verstoßen. Von den militärischen Führern wurde dies mit dem besonderen Charakter des Russlandfeldzugs als weltanschaulichem Vernichtungskrieg begründet. Frau Wehr, eine Archivarin, führte uns durch endlose  Gänge mit Aktenregalen (es gibt 55,5 km davon) und erklärte, wie Dokumente  aufbewahrt  werden müssen, um sie der Nachwelt zu erhalten.
 
 Bild 3
Besonders beeindruckt haben uns die  riesigen Karten, die für Hitler und seine Generäle bestimmt waren (Bild 3 und 4): diese Karte aus dem Sommer 1941 zeigt die Planung des Überfalls auf die UdSSR aus dem Winter 1942: Der Kessel von Stahlingrad wird immer enger - die Karten mussten täglich geändert werden...

Bild 4

Eine riesige Karte (Bild 5), die gerade restauriert wird, zeigt die Planung der Mauer um Westberlin durch die Führung der DDR im August 1961.

In fünf Gruppen, jede dieser Gruppen mit einer anderen Quelle aus dem Archiv,haben wir uns mit der Kriegsführung der Wehrmacht im Osten beschäftigt .

Einer Gruppe lag ein Auszug aus dem Diensttagebuch des Generals Halder vor. Er berichtet, wie in einer Besprechung von 200 Generälen bei 
Hitler die Vorgehensweise im bevorstehenden Feldzug gegen die UdSSR festgelegt wurde.
Die Soldaten sollten Abschied nehmen von der Vorstellung eines ehrlichen Krieges. Es sei ein Kampf zweier  Weltanschauungen.

Bild 5
Ein kommunistischer Soldat sei nie, auch nicht nach dem Feldzug, auch nicht als Gefangener,  als Kamerad zu behandeln; die kommunistische Elite müsse zerschlagen werden,  das Land unterdrückt werden. Es sei etwas anderes als der Krieg im Westen. Für uns war an dieser Quelle das interessanteste, das es sich um eine private Aufzeichnung Halders handelt. Weder Halder noch ein anderer der Generäle, alles hochgebildete Menschen, übt Kritik.
Er schreibt über diese Pläne, als seien sie etwas Banales und erwähnt anschließend ein gemeinsames Frühstück mit Hitler. Eine andere Gruppe berichtete uns von einem Geheimbefehl der Wehrmacht in Serbien, mit dem sog. „Sühnemaßnahmen“  angeordnet  wurden. Für jeden getöteten deutschen Soldaten sollten 100 Gefangene oder Geiseln erschossen werden. Die Umsetzung dieses Befehls war Thema einer weiteren Gruppe: 2000 Gefangenen (serbische Juden) wurde gesagt, die müssten zu einem Arbeitseinsatz.

Gruppe beim Arbeiten...
Die nichtsahnenden Männer wurden zu einem Wald gefahren und systematisch erschossen. Jeweils fünf deutsche Soldaten feuerten gleichzeitig, um ihnen Gewissensbisse zu ersparen

...und beim Präsentieren

Unser Besuch im Bundesarchiv war aufschlussreich, interessant und in gewisser Hinsicht auch einzigartig, da wir Dokumente zu lesen bekamen, die für Normalbürger sonst unzugänglich sind (private Aufzeichnungen eines Generals, abgefangene Feldpostbriefe,
Geheimbefehle).





Bernhard Bieschke, Mirjam Scheller , 12/2
Die Schule bedankt sich beim Militärarchiv, insbesondere bei Frau Wehr und Herrn Dr. Kunz.


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